Leben in Nazaré

22.12.2025 | Reisen | 0 Kommentare

Wenn ich mich mit der Kamera durch eine Stadt bewege, dann geschieht das leise.

Ich halte mich eher am Rand der Szenerie auf, bewege mich langsam, fast vorsichtig, weil es mir nicht darum geht, jemandem zu nahe zu treten.
Es geht vielmehr darum, Momente zu erwischen, in denen Menschen einfach sie selbst sind. Kein Aufschauen, kein Posieren, keine Störung. Ein kurzer Augenblick, der sich öffnet, und bevor er sich wieder schließt, nehme ich ihn mit.

Diese Art des Fotografierens funktioniert nur, wenn man selbst aus dem Bild verschwindet. Ich vermeide es, die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, denn in dem Moment, in dem man wahrgenommen wird, ändert sich die Szene.
Die Natürlichkeit bricht weg. Also halte ich mich zurück, lasse Raum, lasse die Menschen ihr Leben leben – und greife nur zu, wenn sich ein Bild fast von selbst formt.
Für diese Serie hatte ich beide Leica M bei mir. Die alten Sensoren sind weit entfernt vom Komfort moderner Kameras, gerade wenn die Sonne hochsteht und das Licht hart ist.

Der Dynamikumfang reicht oft nicht, die Tiefen brechen früher weg, die Lichter machen selten Kompromisse. Und doch entsteht genau daraus ein eigener Charakter.

Die Leicas zeichnen nicht glatt, nicht perfekt. Sie sind ehrlich. Sie lassen die Konturen stehen, die Schatten härter wirken, die Strukturen sichtbarer werden. Sony würde diese Motive technisch sauberer verdauen, aber nie mit dieser rauen Direktheit……………
Und die Menschen – sie tragen diese Direktheit ebenfalls in sich. Die Fischarbeiter am Strand, die Händler, die Musiker, die Wartenden, die Rufenden, die Schweigenden. Jede Person auf diesen Bildern scheint ein Teil eines größeren Rhythmus zu sein, der in Nazaré allgegenwärtig ist. Niemand inszeniert sich. Niemand versucht, eine Rolle zu spielen. Die meisten sind einfach mitten in ihrem Tag, mitten in dem, was sie schon tausendmal getan haben.

Und gerade darin liegt der Reiz. Das Leben ist nicht laut, nicht auffällig, nicht spektakulär – es ist eine Abfolge kleiner Handgriffe, Blicke, Schritte, Gewohnheiten…….
Ich wollte genau das zeigen: die unscheinbaren Bewegungen, die Würde in den einfachen Tätigkeiten, die Schönheit in der Normalität. Nicht als Projekt, nicht als große Studie, sondern als Sammlung von Augenblicken, die es wert sind, aufgehoben zu werden. Vielleicht sind einige Bilder technisch unvollkommen, doch gerade das macht sie für mich wahr. Die Leicas geben ihnen etwas Raues, etwas Irdisches, etwas, das man fühlen kann.
Leben eben. In all seinen kleinen, stillen Momenten………….

 

 

 

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